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Gesellschaft

Influenzerinnen und Emanzipation – ein grotesker Widerspruch?

Es ist schlicht und einfach das Recht der Frauen, die Hälfte der Macht für sich zu beanspruchen.

Dieses berühmte Zitat stammt von Alice Schwarzer, einer starken Frau, die Ihr Leben einem harten Kampf widmete, um uns Frauen heutzutage das zu ermöglichen, was wir beinahe als normal betrachten: Eine Welt, in der Frauen und Männer gleichberechtigt sind, in der das Geschlecht nicht die Macht besitzt, über Rechte zu entscheiden.

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Dass wir Frauen die Kleidung tragen können, die uns persönlich gefällt, ein Auto fahren und einen Beruf ausüben können, war jedoch lange keine Selbstverständlichkeit. Ein langer und unerbittlicher Kampf um Emanzipation hat die Frauenwelt erst verändern müssen.

Der lange Kampf um Emanzipation

Das Wort „Emanzipation“ stammt aus dem Lateinischen und lässt sich sinngemäß als „Entlassung in die Freiheit“ übersetzen. Häufig wird der Begriff der Emanzipation in unserem heutigen Sprachgebrauch auf die Rechte der Frauen bezogen, welche noch im letzten Jahrhundert derart eingeschränkt waren, dass die Frauen es sich wortwörtlich gewünscht haben „Freiheit“ zu erlangen.

Bis im Jahre 1949 die Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen im Grundgesetz niedergeschrieben wurde, war die Frau dem Mann lange untergeordnet und sollte sich unterwürfig verhalten, möglichst viele Kinder zur Welt bringen, zu Hause putzen und kochen, die Kleidung tragen, die von ihr erwartet wurde und sich weder für Politik noch Wirtschaft, Sport oder andere „Männerthemen“ interessieren.

Im Vergleich zu diesen Umständen stehen uns Frauen heute alle Möglichkeiten offen, das Leben frei nach eigenen Interessen und persönlichen Stärken zu gestalten.

Doch steht das Leben von Influencerinnen, die heutzutage durch ihre digitale Präsenz jüngere Menschen leiten, nicht in einem grotesken Widerspruch zu dem, was viele Frauen jahrelang erkämpft haben: Emanzipation und Freiheit?

Der Widerspruch: Influencerinnen in der heutigen emanzipierten Frauenwelt

Als Influencer und Influencerinnen bezeichnet man online präsente und populäre Personen, die durch ihre digitale Reichweite einen großen Einfluss auf die Menschen haben, die ihnen auf den sozialen Plattformen als Abonnenten oder Follower folgen. Dadurch können Sie Informationen, ihre eigenen Gedanken und vor allem auch ihre Meinung zu Konsumprodukten mit einem starken Multiplikatoreffekt verbieten.Grundsätzlich lassen sich Influencerinnen durch Ihr Auftreten als Werbeträger von Unternehmen als starkes Werbeelement benutzen. Oft machen sie produktplatzierte und bezahlte Werbung für bestimme Konsumprodukte und betonen gleichzeitig dieses aus echter Überzeugung zu machen. Dadurch lassen Sie sich für Geld Ihre eigene Meinung wegnehmen.

Die Bedeutung der Bezeichnung Influencerin lässt sich von dem englischen Verb „to influence“ ableiten, was so viel wie beeinflussen bedeutet. Somit nehmen Influencerinnen vielen jungen, leicht beeinflussbaren Mädchen ihre eigene Meinung zu Styles und Produkten und pflanzen ihnen unauffällig die Werbeversprechen der Unternehmen in den Kopf.

So wird jungen Mädchen nicht nur vorgelebt, wie man sich verhalten, sich kleiden und schminken soll, sondern auch welche Produkte empfehlenswert sind. Das bedeutet genau das Gegenteil von Freiheit und Selbstbestimmung.

Zudem präsentieren Influencerinnen oft ihr ganzes Leben, sie zeigen sich morgens im Bett, filmen, was sie kochen und wie sie Sport machen, zeigen wie sie sich kleiden, wie sie shoppen gehen und wie sie ihre Freizeit vertreiben. Junge Mädchen verfolgen ihr Leben und orientieren sich daran, wobei jede Frau ihr Leben auf ihre ganz eigene Art und Weise leben, sich frei entwickeln können und Stärken und Interessen ausleben sollte.

Influencerinnen vermitteln flächendeckend meist eine ganz bestimmte Lebenseinstellung und ein gewisses Frauenbild, das dem Frauenbild aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs leider erschreckend ähnlich ist.

Influenzerinnen lehren heranwachsende Frauen ein bestimmtes Frauenbild

Viele dieser digitalen Popularität zeigen den jungen Fans, wie viel wichtiger als Politik oder Wirtschaft es ist, die eigene Wohnung schön und stilvoll, in femininen, hellen Farben einzurichten, zu dekorieren und zu pflegen. Sie kümmern sich um Pflanzen und dekorative Gegenstände und vermitteln nie das Bild, dass ihr Freund, Lebenspartner oder Mann bei der Inneneinrichtung auch auf irgendeine Art und Weise mitwirkt. Weiter zeigen sie sich beim Kochen, kreiert täglich neue Rezepte, die sie in den sozialen Medien präsentieren.

Wichtig ist natürlich auch, dass man Sport macht und sich gut in Form hält, um dem aktuellen Schönheitsideal zu entsprechen und die perfekten Körpermaße zu haben. Stylen sollte man sich selbstverständlich auch, so findet man auf Plattformen wie YouTube unzählige Videos mit „Make-up Tutorials„, in welchen verschiedene Looks erklärt werden.

Mode- ein weiteres wichtiges Thema, bei dem es wichtig ist, auf aktuelle Trends und Schönheitsideale zu achten. Dabei kann man sich einfach an Influencerinnen orientieren, die tagtäglich ihre modischen Styles verbreiten und einem Mädchen so zeigen, wie es sich gut kleiden kann.

Und wenn eine Frau sich wenig für Schmuck, Mode, perfekte Körpermaße, Shopping und Inneneinrichtung interessiert? Dann wird es natürlich schwer für sie, in der „modernen und offenen“ Welt gut anzukommen.

Das Bild, welches Influencerinnen in den modernen Medien verbreiten ist bei näherer Beleuchtung das Gegenteil von einer modernen Weltansicht. Es zeigt eingeschränkte Freiheit und Selbstbestimmung der Frauen, ein vorgelebtes Frauenbild, an welchem sich junge Mädchen orientieren können, die dann wissen, wofür sie sich interessieren sollten. Die glitzernde und schillernde Welt der Online-Stars zeigt, wenn man den glitzernden Staub erst einmal wegpustet, ein verstaubtes Frauenbild.

Das Frauenbild einer Zeit, der wir längst entkommen sind … oder doch nicht?

War der unerbittliche Kampf vieler Frauen im Endeffekt doch sinnlos, wenn wir so bereitwillig den Influencerinnen folgen, ihre Lebenseinstellung ebenso problemlos übernehmen, wie ihre Meinung zu Produkten und uns dadurch die eigene Freiheit einschränken lassen? Vielleicht könnte man besser noch sagen: Wir schränken selbst unsere eigene Freiheit ein.

Diese unterbewusste Macht, die das Vorleben eines verstaubten Frauenbilds auf junge, heranwachsende Frauen hat, scheint, so betrachtet, stärker als Gesetze, die Frauen einschränken, da wir Frauen nicht einmal bemerken, dass wir uns einschränken lassen. Wir leben die geschenkten Freiheiten nicht vollkommen aus und würden dennoch behaupten, dieses zu tuen. Wir sprechen von einer emanzipierten Frauenwelt und lassen uns doch willenlos ein Frauenbild in die Köpfe pflanzen.

Ich bin 25 Jahre alt und kann das wunderschöne Wien mein Zuhause nennen. Ich studiere hier Kulturwissenschaften und interessiere mich brennend für das Thema Feminismus. In meiner Freizeit höre ich leidenschaftlich gerne Musik und spiele selbst Gitarre. Am liebsten mag ich Rock und Indie - auch wenn ich mal wieder eins meiner geliebten Konzerte besuchen gehe. Was mich ansonsten ausmacht? Wahrscheinlich, dass ich ein so offener und kommunikativer Mensch bin. Ich lerne gerne neue Menschen kennen und probiere immer etwas neues aus. Ganz egal ob es dabei um ein neues vegetarisches Gericht, ein Buch oder ein ausgefallenes Hobby geht.

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Gesellschaft

Hochzeits-Checkliste: Was brauche ich für die perfekte Vorbereitung?

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Der schönste Tag im Leben rückt näher… damit dieser reibungslos abläuft, sollten die Verlobten bereits früh genug mit den Vorbereitungen für den Hochzeitstag beginnen. Damit bei der Organisation auch nichts übersehen wird, ist eine chronologische Hochzeits-Checkliste ideal. Dann wissen Braut und Bräutigam in spe, aber auch Brautjungfern, Freunde und Verwandte auf einen Blick, wer sich um welche Dinge wann kümmern muss. Damit Sie entspannt den schönsten Tag genießen können!

12 – 6 Monate vor der Hochzeit

In diesem Zeitraum sollte der gesamte grobe Rahmen für die Hochzeit festgelegt werden. Sprechen Sie gemeinsam über ihre Vorstellungen: Während welcher Jahreszeit möchten Sie heiraten? Mit wie vielen Gästen wollen Sie feiern – wünschen Sie sich ein großes Fest oder eine Feier im kleinen Kreis? Diese Punkte sollten erledigt werden:

  • Datum der Hochzeit festlegen
  • Den festlichen Rahmen der Hochzeit beschließen
  • Mit Standesamt oder Pfarramt den Termin vereinbaren
  • Das Hochzeitsbudget festlegen
  • Trauzeugen über Termin informieren
  • Passende Sprüche für Einladung aussuchen

6 – 3 Monate vor der Hochzeit

Der Termin für die Hochzeit wurde bereits mündlich festgelegt, nun gilt es, diesen noch schriftlich abzuklären und die notwendigen Papiere einzureichen. Wesentlich für das Gelingen der Hochzeitsfeier ist natürlich die Location: Wählen Sie ihre drei Lieblingsorte und prüfen Sie, ob diese zum Wunschtermin noch zu haben sind.

  • Eheschließung beim Pfarramt und Standesamt anmelden bzw. Papiere einreichen
  • Die Location für die Hochzeitsfeier auswählen und reservieren
  • Eine Band und einen Fotografen für die Hochzeit finden
  • Die Gästeliste festlegen
  • In Restaurant oder mit Cateringservice Menü auswählen
  • Die Hochzeitseinladungen gestalten und drucken lassen
  • Menükarten und andere Drucksachen bestellen
  • Die Blumengestaltung festlegen und einen Floristen kontaktieren
  • Brautstrauß auswählen
  • Das Brautkleid und den Anzug des Bräutigams auswählen
  • Kleider für Blumenkinder und Brautjungfern auswählen
  • Accessoires für die Braut, wie z.B. Brautschuhe festlegen
  • Die Trauringe auswählen, gravieren lassen und abholen
  • Einladungskarten verschicken
  • Nur keine Panik! Evtl. mit anderen Brautleuten austauschen

1 Monat vor der Hochzeit

Nun wird es langsam ernst: Der große Tag rückt näher! Prüfen Sie, wie viele Gäste zugesagt haben und besprechen Sie sich noch einmal mit dem Cateringservice. Nun geht es an die detaillierte Planung des Hochzeitstages: Wie soll dieser genau ablaufen? Wer sitzt wo? Bestellen Sie die Hochzeitstorte und legen Sie alle wichtigen Termine, wie z.B. den Friseurtermin fest.

  • Geschenkeliste zusammenstellen
  • Friseurtermin für Braut und Bräutigam festlegen
  • Make-Up festlegen und Testen
  • Sich einen Überblick über die Zusagen der Gäste verschaffen
  • Abschließende Absprache mit Restaurant bzw. Cateringservice
  • Die finale Gästezahl an den Gastronom bzw. an das Catering weiterleiten
  • Hotelzimmer für Gäste buchen
  • Genauen Ablauf des Hochzeitstages festlegen
  • Sitzordnung der Feier planen
  • Hochzeitstorte bestellen
  • Geschenke für Gäste organisieren
  • Flitterwochen buchen

1 Woche vor der Hochzeit

Nur noch sechsmal schlafen! Entspannen Sie sich und nehmen Sie alle gebuchten Termine wahr. Proben Sie evtl. noch einmal den Ablauf der Hochzeit direkt in der Kirche, gemeinsam mit Pfarrer, Trauzeugen und Blumenkindern.

  • Termine, z.B. Friseurtermin und Kosmetiktermin wahrnehmen
  • Ablauf der Hochzeit mit Pfarrer, Blumenkinder, Trauzeugen etc. durchgehen und evtl. Probelaufen

3 – 1 Tag vor der Hochzeit

Nun sollte alles vorbereitet sein… Freuen Sie sich auf Ihren großen Tag! Versuchen Sie möglichst früh ins Bett zu gehen, um anschließend entspannt und ausgeruht vor den Altar zu treten. Legen Sie sich eine kleine Notfalltasche mit Kleinigkeiten wie Taschentüchern oder Ersatzstrümpfen zu – so sind Sie sicher, es kann nichts mehr schiefgehen!

  • Kleidung für den großen Tag zurechtlegen
  • Eine kleine Tasche mit Ersatz-Utensilien vorbereiten (z.B. zweites Paar Schuhe, Deo, Erfrischungstücher, Reservestrümpfe, Bürste, Nähzeug etc.)
  • Ringe bereitlegen
  • Evtl. Papiere vorbereiten
  • Früh ins Bett gehen und sich ruhige Stunden gönnen

Am Tag der Hochzeit

  • Liegen Ringe und Blumen bereit?
  • Cool bleiben!
  • „Ja“ sagen!
  • Sich freuen und mit allen gemeinsam diesen großen Tag feiern!

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Gesellschaft

Internationaler Frauentag

Nein. Es ist nicht so wie im Song von Beyonce, dass „girls“ die Welt leiten. In sehr vielen Bereichen und in sehr vielen Ländern haben Männer bis heute das Sagen – auch in Österreich.

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Who run the world – girls?

Männer verdienen mehr, sitzen in den Chefetagen und kümmern sich nicht um pflegebedürftige Angehörige. Um auf diese Missstände aufmerksam zu machen, gehen jedes Jahr Menschen am 8. März auf die Straße, um den Internationalen Frauentag, auch Weltfrauentag genannt, zu begehen.

Weit weg von Gleichberechtigung

Dass Frauen heute Auto fahren, studieren oder wählen gehen dürfen erscheint uns in Österreich selbstverständlich – das war es aber lange nicht und ist es in einigen Ländern bis heute nicht.

Über viele Generationen hinweg haben Frauen für diese Rechte kämpfen müssen. Das Ziel des Weltfrauentags ist auch heute noch, auf fehlende Gleichberechtigung aufmerksam zu machen. Nach wie vor verdienen Frauen in den allermeisten Ländern weniger als Männer, in den wenigstens großen Firmen steht eine Frau an der Spitze, Frauen werden oft schief angeschaut, wenn sie sich für eine Karriere statt für eine Familie entscheiden, sie pflegen öfter unbezahlt Angehörige, zudem sind Frauen häufiger Opfer von häuslicher Gewalt und Sexualstraftaten.

In einigen Ländern dürfen Frauen ohne die Zustimmung ihres männlichen Vormunds nicht einmal heiraten. Für all diese Missstände soll beim Weltfrauentag Aufmerksamkeit geschaffen werden.

Wie aus einer Arbeiterinnen Bewegung der Internationale Frauentag wurde

Den Weltfrauentag gibt es seit mehr als 100 Jahren. Die Geschichte beginnt 1908 in den USA, als die Sozialistische Partei Amerikas (Socialist Party of America, SPA) zum ersten Mal einen Frauentag ins Leben rief.

Dieser sollte immer am letzten Sonntag im Februar stattfinden, erstmals also am 28.2.1909. Dieser Tag sollte auch an den Streik der Hemden-Näherinnen 1908 erinnern, die gegen die schlechten Arbeitsbedingungen protestiert hatten. Eines der Ziele war es, mit gemeinsamer lauter Stimme das Frauenwahlrecht zu fordern.

Da dieser Tag in den USA ein voller Erfolg war, wurde die Idee recht schnell in die Welt getragen. Bereits 1910 wurde sie auf der Frauenkonferenz der Sozialistischen Internationalen in Kopenhagen vorgestellt. 100 Frauen aus 17 Ländern stimmten für den Vorschlag. Besonders engagiert waren die Deutsche Clara Zetkin und Käte Duncker, die mit dem Slogan „Keine Frauenrechte, sondern Menschenrechte“ für den Frauentag geworben hatten.

  • Am 19. März 1911, dem ersten Internationalen Frauentag, forderten etwa eine Million Menschen aus Deutschland, Österreich-Ungarn, der Schweiz und Dänemark das Wahlrecht für Frauen, die gleichen Arbeitsbedingungen wie Männer und eine größere Beteiligung in der Politik. In Wien demonstrierten dafür rund 20.000 Menschen auf der Wiener Ringstraße. Außer in Finnland durften zu diesem Zeitpunkt in keinem Land Frauen wählen. In Österreich wurde den Frauen dieses Recht 1918 zugestanden, ebenso in Deutschland, Polen und Russland.
  • 1913 und 1914 wandelte sich der Frauentag zu einem Anti-Kriegs-Protesttag. In dieser Zeit schlossen sich auch die russischen Frauen der Bewegung an.
  • 1975 erklärte die UNO im Rahmen des Frauenjahres den 8. März zum Internationalen Frauentag (International Women’s Day IWD). Zwei Jahre später verabschiedete die UN-Generalversammlung eine UN-Resolution, in der sie alle Staaten darum bat, einen Tag im Jahr zum „Tag der Vereinten Nationen für die Rechte der Frau und den Weltfrieden“ zu erklären. In 26 Ländern ist der Weltfrauentag heute ein Feiertag, unter anderem in Russland, Nepal und Sambia. Besonders wichtig ist der Weltfrauentag in lateinamerikanischen Ländern, bei denen auf großen Demonstrationen vor allem gegen die hohe Zahl an Frauenmorden und für die Abschaffung des Abtreibungsverbots demonstriert wird. Nicht selten haben die Demonstrationen in diesen Ländern in den großen Städten über 100.000 TeilnehmerInnen.

Das Mysterium um den 8. März

Bis heute ist nicht ganz geklärt, warum ausgerechten der 8. März zum Weltfrauentag geworden ist.

  • Eine Version besagt, dass am 8. März 1917, nach dem damaligen julianischen Kalender der 23. Februar, Frauen in Russland protestierten und so die Februarrevolution auslösten.
  • In einer anderen Version ist Lenin für die Auswahl des Datums verantwortlich, der, nach der Aufforderung durch die russischen Revolutionärin Alexandra Kollontaj, im Jahr 1921 den 8. März zum Internationalen Frauentag erklärte.
  • Eine dritte Variante verweist auf den 8. März 1857, an dem Textilarbeiterinnen in New York streikten.

Ob dieser Streik aber überhaupt stattgefunden hat, bleibt unter Historikern und Historikerinnen bis heute umstritten – unter anderem, weil der besagte Tag ein Sonntag war. Eine vierte Version geht auf den 8. März 1908 zurück, an dem die erwähnten Hemdennäherinnen in den USA für bessere Arbeitsbedingungen streikten.

Egal, welcher Version man Glauben schenken möchte: Der Wurzeln des Weltfrauentags liegen in jedem Fall starke Frauen zu Grunde, die sich gegen Ungerechtigkeit und Unterdrückung auflehnten und ihre Rechte forderten.

Der Weltfrauentag heute

In vielen Städten in Europa und in der ganzen Welt wird der Internationale Frauentag gefeiert.

Auch in österreichischen Städten gibt es jedes Jahr ein vielfältiges Angebot, das Spaß machen, aber auch zum Nachdenken anregen soll. In Graz gab es 2018, der besondere Anlass war 100 Jahre Frauenwahlrecht in Österreich, beispielsweise einen abwechslungsreichen Rückblick auf das vergangene Jahrhundert. Was hat sich seit der Einführung des Frauenwahlrechts getan? Welche Pionierinnen gab es speziell in Graz, die sich für die Gleichstellung von Frau und Mann eingesetzt haben? Wie sollte es weiter gehen und welche Baustellen gibt es aktuell noch?

Diesen und vielen weiteren Fragen wurde unter anderem in offenen Diskussionen, einem Frauenstadtspaziergang, einem Frauenfrühstück, Ausstellungen und dem Women’s Action Forum nachgegangen.

Sowohl in Wien als auch in Graz gibt es am Internationalen Frauentag eine Demonstration, die auf die Missstände bezüglich der Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau aufmerksam machen soll. Sie richten sich nicht nur an Österreich, sondern wollen auf Missstände in der ganzen Welt hinweisen. Zudem gibt es in beiden Städten diverse Veranstaltungen rund um den Weltfrauentag. In Wien laden beispielsweise alle Bundesparteien zu unterschiedlichen Veranstaltungen ein, um das Thema Gleichberechtigung in den Fokus zu rücken. Auch gibt es spezielle Konzerte, Filmvorführungen und Podiumsdiskussionen, in der der Stand der Frau in der Gesellschaft im Zentrum steht. Im Rathaus findet der Wiener Frauentag statt, die Universität veranstaltet verschiedene Events rund um das Thema Frauenrechte.

In Graz ist vor allem das Women’s Action Forum erwähnenswert. Dieses hat natürlich besonders viele Veranstaltungen rund um den 8. März, aber auch alle weiteren 364 Tage im Jahr gibt es hier unterschiedlichste Events, zum Beispiel Ausstellungen, Führungen und Lehrgänge, rund um die Themen Feminismus, Rassismus, Sexismus, Homophobie und Geschlechterstereotype. Im Forum werden KünstlerInnen, WissenschaftlerInnen und PraktikerInnen aus verschiedenen Institutionen, Einrichtungen und Initiativen mit allen, die sich für die Themen interessieren, zusammengebracht.

Zum Internationalen Frauentag am 8. März hat sich das Women’s Action Forum mit anderen Vereinen, Veranstaltern und Organisationen zusammengeschlossen und ein vielfältiges Programm gestaltet.

Auch der ORF macht ein Special zum Weltfrauentag und bringt so mediale Aufmerksamkeit. Den ganzen Tag werden Filme, Dokumentationen und Reportagen mit starken weiblichen Persönlichkeiten gezeigt und Frauenthemen aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet. Die ORF-Radiosender senden an diesem Tag mit den „EBU Women in Music Days“ Werke von Musikerinnen, Dirigentinnen und Komponistinnen und widmen sich in den verschiedenen Sendern auf unterschiedliche Weise der Chancengleichheit von Frau und Mann in Österreich.

Frauen laufen in Österreich

In ganz Österreich laufen Frauen in der Laufsaison auf Frauenläufen. In Wien findet der Frauenlauf im Mai statt. Er entsprang der Idee von Ilse Dippmann, die Anfang der 1980er mit dem Laufen anfing – damals war es in Österreich noch sehr ungewöhnlich, dass Frauen Laufsport betrieben. Auf ihrer Reise nach New York, wo sie ihren ersten Marathon laufen wollte, kam ihr durch die vielen durch den Central Park joggenden Frauen die Idee, Frauen in Österreich zum Laufen zu motivieren. 1988 war es dann soweit: 440 Pionierinnen liefen durch den Schlosspark Laxenburg – ein voller Erfolg. Der erste Frauenlauf Österreichs war geboren.

Ebenfalls in Wien, im April, findet der Frauen Fun Run statt. Besonders sportlich wird es im fünften Monat des Jahres: der Innviertler Frauenlauf in Waldzell, der Salzburger Frauenlauf, der Bodensee Frauenlauf in Bregenz, der Ladies Run Graz und der Womens Trail in Zell am See finden alle im Mai statt. Im Juni geht es weiter mit dem Linzer Frauenlauf und dem Tiroler Frauenlauf in Innsbruck. Die Saison wird mit dem NÖ Frauenlauf in St. Pölten und dem Burgenländischen Frauenlauf in Bad Tatzmannsdorf im September beendet.

Baustellen der Zukunft

Obwohl es in Österreich seit nun über 100 Jahren ein Frauenwahlrecht gibt, bewegt sich die Gesellschaft noch zu langsam in Richtung einer wirklichen Gleichberechtigung. Bewegungen wie die um den Hashtag #metoo und die damit verbundene Fülle an Opfern, die den sexuellen Missbrauch oder die sexueller Belästigung in die medial Aufmerksamkeit gerückt hat, zeigt, wie viele Frauen (und natürlich auch einige Männer) noch heute davon betroffen sind. Insbesondere macht die Bewegung darauf aufmerksam, dass sexuelle Gewalt auch in der westlichen Welt nach wie vor ein großes Problem darstellt, welches lange totgeschwiegen wurde. Umso wichtiger sind Prozesse und Verurteilungen wie die von Harvey Weinstein, die ein Signal senden, dass es sich bei sexuellen Übergriffen um Straftaten und keine kleinen Bagatelldelikte handelt. Viele Frauen trauen sich nach wie vor nicht Sexualstraftaten anzuzeigen, weil sie sich gedemütigt fühlen, ihnen von ihrem Umfeld oder der Justiz kein Glauben geschenkt wird oder der Straftäter aus der Familie oder dem Bekanntenkreis kommt. Unter anderem aus diesen Gründen ist die Dunkelziffer der Opfer von Sexualstraftaten Schätzungen zufolge sehr hoch. Dies zeigt sich beispielsweise darin, dass es einen regelrechten Anzeigensturm gab, also 2017 das Sexualstrafrecht in Österreich verschärft wurde.

Auch im Bereich der beruflichen Gleichberechtigung muss weiter Aufmerksamkeit geschaffen und diskutiert werden, wie mehr Frauen in Führungspositionen gebracht werden können. Ein Ansatz ist die Frauenquote, welche in Österreich bisher nur im öffentlichen Dienst existiert. Einen wichtigen Symbol für Gleichberechtigung ist die aktuelle Geschlechterzusammensetzung der Türkis-Grüne Regierung. Im Nationalrat sitzen momentan (Stand 25.3.2020) 39,34% Frauen. Dies ist der bisher höchste Frauenanteil in der Geschichte des Nationalrats. Auch der Anteil an Ministerposten, die mit Frauen besetzt sind, ist mit 8 von 15 (53,3%) der höchste der Geschichte.

Anders sieht es in den Führungspositionen der großen Unternehmen in Österreich aus. 2018 waren nur 8,4% Frauen, der Anteil an weiblichen Aufsichtsratsmitgliedern lag bei 18,4%. Bei börsennotierten Unternehmen ist der Anteil noch geringer – und das, obwohl Frauen so gut ausgebildet sind wie nie zuvor. Diese extreme Geschlechterverteilung spiegelt sich auch um durchschnittlichen Verdienst von Frauen in Österreich wider. 2017 verdienten Frauen im Schnitt fast 20% weniger als Männer (Gender Pay Gap). Die Zahl ist seit 2007 zwar gesunken, sie liegt aber nach wie vor über dem EU-Durchschnitt. Ein weiterer wichtiger Faktor für diese Diskrepanz ist, dass Frauen häufig in Teilzeit beschäftigt sind, weil sie sich um die Kinder kümmern oder Angehörige pflegen.

International wird am Weltfrauentag vor allem auf Gewalt an Frauen aufmerksam gemacht. Zwangsheirat, Genitalverstümmelungen, Frauenhandel und Ehrenmorde sind nur einige Beispiele dafür, womit Frauen in einigen Ländern konfrontiert sind. Ein extremes Beispiel für fehlende Frauenrechte ist Saudi-Arabien. Auch, wenn das Königreich Frauen inzwischen einiges erlaubt, was bis vor Kurzem noch verboten war, etwa das Autofahren oder das Reisen ohne Erlaubnis des Mannes, ist es noch weit entfernt von Gleichberechtigung. Frauen sind beispielsweise bis heute von Wahlen auf nationaler Ebene ausgeschlossen, sie brauchen die Zustimmung ihres männlichen Vormunds, um aus dem Gefängnis entlassen zu werden, zu heiraten, oder, was besonders perfide ist, ein Heim für missbrauchte Frauen zu verlassen. Zudem werden in Saudi-Arabien Frauenrechtlerinnen häufig unter menschenunwürdigen Bedingungen eingesperrt, momentan befinden sich beispielsweise die Feministin Nassima al-Sadah ohne Anklage oder Gerichtsprozess in Haft.

Auch in anderen Ländern ist das Frauenwahlrecht bis heute keine Selbstverständlichkeit. In Bhutan beispielsweise hat jede Familie bei Wahlen nur eine Stimme, dadurch sind Frauen hier häufig von Wahlen ausgeschlossen. Im Libanon dürfen Frauen nur mit einem gewissen Bildungsgrad wählen. Für Männer gilt diese Beschränkung nicht, darüber hinaus besteht für sie sogar eine Wahlpflicht.

Who run the world? All genders do equally.

Von Zuständen wie in Saudi-Arabien ist Österreich, auch durch den Kampf der Arbeiterinnen, weit entfernt. Aktuelle Themen gibt es dennoch viele und damit viele Gründe, den Weltfrauentag am 8. März zu begehen. Er ist eine weltweite Bewegung geworden, immer mehr Frauen auf der ganzen Welt fordern Gleichberechtigung und machen auf Missstände aufmerksam. Dass Frauen in der heutigen Gesellschaft auch in Österreich in einigen Bereichen noch diskriminiert werden, darauf muss aufmerksam gemacht werden. Seit 1908 ist die Gesellschaft weit gekommen, aber nach wie vor liegt ein weiter Weg zur vollständigen Gleichberechtigung vor uns. Und hoffentlich können wir dann irgendwann sagen: Who run the world? All genders do equally.

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