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Eine Hymne auf die Weibliche Brustvon Asti Jane Rieger Schön sind sie, rund sind sie, manches Mal auch flach oder länglich, hängend oder stehend, gross oder klein, vielleicht auch etwas ungleich, aber auf jeden Fall schön. Fast tendiere ich dazu zu denken, dass ich gesegnet bin - toll, und dann auch noch zwei auf ein Mal. Beim entzückten Nachdenken über ihre Existenz fällt auch uns ein schöpferisch wirkendes Wesen ein, ach was, eine Göttin, die sie ersonnen haben muss. Zwei wunderbare, schöne Brüste, die uns so eigen sind und uns so besonders machen. Ein Geschenk. Sicher mag es Momente geben, wo sie etwas im Weg sind, die beiden, aber heute gibt es ja super BHs, die alles im Notfall einpacken und an Ort und Stelle halten. Amazonettische Brustlosigkeit als männliches Mythos zu entlarven ist das eine, das Bewusstsein zu schaffen, dass zwar der Busen als ein männererdachtes Schönheits ideal fungieren kann, aber dass sie uns Frauen gehören und auch wir uns an ihnen ergötzen können, das andere. Seit ich das Thema fürs Heft an mich gerissen habe, wandle ich durch die Gegend, ertappe mich laufend, dass ich Frauen ungeniert und bezaubert ins Dekollete starre und mich jetzt - auch dank der Sommerzeit - an fast jeder, die freizügig angezogen ist, ergötzen kann. Wundervoll. Uli und ich sitzen im Zimmer - Selbstversuch. Beide starren wir von oben an uns runter und überlegen, wie es wäre ohne. Ich kann keinen Bleistift drunter klemmen - zu klein, aber dafür schwitz ich auch nicht in der Falte. Uli kriegt sogar ein Buch drunter und kann sozusagen freihändig busen-buch-festhaltend durchs Zimmer spazieren. Auch super. Meiner Meinung nach ist die Brustlosigkeit der Amazonen eigentlich kein männlicher Mythos. Sollte es stimmen, dass Amazonen sich eine Brust abgeschnitten haben, so war das eine selbstbestimmte Entscheidung, um mehr Funktionalität beim Schießen zu erzeugen - eine pragmatische Entscheidung, selbst gewählt. Vorstellen kann ich mir das nicht, mag ich auch gar nicht. Ich mag eher die These, dass Amazonen so durchtrainierte Oberkörper hatten mit einer durch und durch trainierten Brustmuskulatur, so dass es eben so aussah, als ob sie fast flach wären. (Ähnlich der Geschichte von David und Goliath - vielleicht war David einfach kleinwüchsig und Goliath sehr großwüchsig für die Menschen damals und deshalb wurde er irgendwann im Verlauf der Geschichte ein Riese. Wie Gerüchte funktionieren, wissen wir eh alle). In den Anfängen der zweiten Frauenbewegung (in den 60er und 70er Jahren) wurde der weibliche Körper vorwiegend von pragmatischen Standpunkten aus beleuchtet. Abtreibung, die Pille, Sexualität und Gewalt wurden von Feministinnen aufgegriffen und in die Debatten eingeführt. Als vom Patriarchat enteigneter Körper wurde der weibliche Körper analysiert. Kritik wurde an den traditionellen Vorstellungen über Frauen und den weiblichen Körper anhand zweier Pole geübt: Zum einen die Vorstellung von der Frau als Ehefrau und Mutter und zum anderen die Vorstellung der Verführerin (Typisierung der Frau entweder als Heilige oder Hure). Aber in unserer westlichen Kultur nimmt der weibliche Körper (auch heute, oder gerade wieder heute) in Bildern und Phantasien einen besonderen Stellenwert ein, insbesondere im Hinblick auf seine Vermarktbarkeit. Allerdings hat die hier vorgeführte weibliche Sexualität selten etwas mit der Sexualität zu tun, wie wir sie erleben und beschreiben. Viel eher spiegelt sie als Projektionsfläche zahlreiche männliche Phantasien, Ansprüche und Bedürfnisse wider. Sind wir nicht heute so weit, uns unseren eigenen Körper anzueignen? Gehen wir nicht längst darüber hinaus, ihn selbstermächtigt zu definieren, ihn anzusehen ohne die Kontrolle des männlichen Blicks? Schreiben wir nicht längst Phantasien, Ansprüche und Bedürfnisse neu? Doch, denke ich, und dazu gehört auch der wohlwollende oder auch lüsterne Blick an uns selbst herunter, verweilend auf unseren Brüsten: rund oder flach, länglich, hängend oder stehend, groß oder klein, vielleicht auch etwas ungleich, aber auf jeden Fall schön … AUF 128 - Von AMAZONEN, der Biene Maya und anderen Frauengestalten |
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